Westafrika Teil 1

Teil 1: Von der Schweiz nach Dakar, Senegal

Am 29. September 2002 verabschieden wir uns von unseren Angehörigen und verlassen dann am 16. Oktober Europa. Nach sensationellen 20 Minuten sind die Grenzformalitäten erledigt und wir befinden uns in Marokko. In der netten Stadt Larache tauchen wir erstmals in das exotische Leben einer orientalischen Stadt ein.

Casablanca: Die Stadt hält nicht, was der wohlklingende, von einem Mythos umgebene Name verspricht. Sie kann die farbigen, verlockenden Vorstellungen kaum erfüllen, denn Casablanca ist heute das wichtigste Industrie- und Handelszentrum und mit drei Millionen Einwohnern zudem auch noch die grösste Stadt des Landes. Casablanca besitzt seit einigen Jahren jedoch eine Sehenswürdigkeit, für die es sich durchaus lohnt, das chaotische Verkehrsgewühl auf sich zu nehmen: die Moschee Hassan II. Kolossal erhebt sie sich, von den Wellen des Atlantiks umspült. Das 200 Meter hohe Minarett ist gar das höchste sakrale Bauwerk überhaupt. Titanenarbeit haben die 30’000 Steinmetze, Stuckateure, Maler, Holzschnitzer, Schmiede, Maurer und gewöhnliche Arbeiter geleistet, die in fünf Jahren König Hassans Heiligtum und Denkmal errichtet haben. Schätzungsweise eine halbe Milliarde Euro dürfte das neue Wahrzeichen Casablancas gekostet haben. Wie bei anderen gigantischen Prestigeobjekten stellt sich auch hier die berechtigte Frage, ob das viele Geld nicht sinnvoller hätte investiert werden können.

Die wunderschöne, uralte Kleinstadt Essaouira ist unser nächster Anlaufpunkt. Während Jahrhunderten brachten Karawanen aus dem fernen Senegal oder Mali Gold, Elfenbein und andere begehrte Handelswaren hierher. Später kamen die Portugiesen und befestigten die Stadt. Vom Kastell mit seinen zahlreichen in Spanien gegossenen Kanonen bietet sich ein einmaliger Ausblick auf die von hohen Mauern umgebene Altstadt und den quirligen Fischerhafen, wo der Fang eingebracht, Netze repariert und Schiffe renoviert oder gar neu gebaut werden.

 

Interessiert schauen wir den Arbeitern in der Werft zu, und es dauert nicht lange, bis ein Angestellter, vielleicht auch ein Führer, sich unser annimmt. Jedenfalls weiss er viel zu erzählen und erklären, und wir dürfen zudem ungeniert fotografieren. Die Einzelteile der schönen Holzschiffe werden vor Ort Stück um Stück aus dem harten Holz des Eukalyp­tus­­baumes gehauen und anschliessend zusammengebaut.

Bis zum Stapellauf dauern die Arbeiten mindestens ein Jahr. Danach verrichten die dickbauchigen Fischerboote bis zu 40 Jahre lang ihren Dienst, sofern ihnen nicht ein Atlantiksturm ein vorzeitiges Ende bereitet.

Die Küste entlang des Atlantiks bietet immer wieder Sehenswürdigkeiten, wie dieses Felsenfenster in der Nähe von Ifni.
Wo sich die Sandwüste mit der Wasserwüste trifft: Westsahara - Süd-Marokko. An der Nordwestküste Afrikas schiebt der Passatwind das Wasser weg und lässt dadurch kaltes, nährstoffreiches Auftriebswasser nachquellen. Das Meer wird hier kaum wärmer als 20 Grad Celsius und temperiert dadurch wenigstens den Küstenbereich auf angenehme bis kühle Werte. Der hohe Nährstoffgehalt macht den Kanarenstrom zudem zu einem der fischreichsten Gewässer unseres Planeten.

Im Herbst 2002 musste die Wüste Mauretaniens mangels Strassen noch off road durchquert werden. Heute rollt man auf einer neuen, geteerten Strasse durch das Land, was natürlich viel komfortabler und schneller vonstatten geht, dafür aber eine ziemlich eintönige Angelegenheit ist.

Am späten Nachmittag finden wir einen traumhaften Lagerplatz zwischen einigen Sanddünen. Eine absolute Stille umgibt uns, und nach dem Eindunkeln bewundern wir das Firmament mit seiner grandiosen Sternenpracht. Das sind die Momente, von denen jeder Wüstengänger schwärmt und noch lange träumt. Die Strapazen des Tages, die mörderische Hitze, Staub und Durst sind vergessen.

Da die letzten 150 Kilometer bis zur mauretanischen Hauptstadt Nouakchott vor der Fertigstellung der neuen Strasse sehr tiefsandig war, legte man diese Strecke einfachhalber auf dem Spülsaum des Meeresstrandes zurück. Die Beschreibung dazu aus unserem Buch: Schon kurz nachdem der höchste Wasserstand zu sinken beginnt, fahren am Morgen die ersten Fahrzeuge los. Wir warten noch etwas länger und wühlen uns dann ebenfalls durch den Weichsand zum festen Grund des Spülsaums. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, noch etwas länger zu warten, denn der befahrbare Strand ist immer noch schmal und dadurch steil abfallend, was vor allem für den Toyota mit seinem hohen Schwerpunkt unangenehm und nicht ungefährlich ist. Unsere beiden Freunde müssen gar ein Kippen ihres Fahrzeuges befürchten. Es ist eine Gratwanderung zwischen den Wellen des Atlantiks und dem Weichsand der Sahara. Man hat die Wahl zwischen Technik zerfressendem Salzwasser und Einsanden. Solange man die Gewissheit hat, dass der Wasserstand am Sinken ist, fährt es sich noch einigermassen locker. Das Horrorszenario tritt dann ein, wenn bei steigender Flut ein Fahrzeug stecken oder gar mit einer Panne liegen bleibt. Verrostete Autowracks zeugen von dieser Gefahr, und es wird auch gemunkelt, die Mauretanier würden zuweilen einen in Not geratenen Touristen mit horrenden Geldforderungen erpressen.

Wie weit es mit der Hilfsbereitschaft her ist, können wir etwas später mit eigenen Augen feststellen. Als wir beginnen, diese einmalige Fahrt etwas zu geniessen, versperrt plötzlich eine Sanddüne den Weg. Wir warten zuerst einmal ab, wie die Einheimischen dieses Hindernis meistern. Der erste Geländewagen fährt durchs bis an den Unterboden reichende Wasser – und bleibt in arger Schräglage prompt stecken. In schöner Regelmässigkeit rollen die Wellen an und umspülen die Karosserie. Der Fahrer steigt aus, zieht sich seine weite, bis zu den Knöcheln reichende Galabija hoch und schaltet in aller Ruhe die Vorderachse zu. Der Kerl ist doch tatsächlich ohne eingeschalteten Vierradantrieb in die Fluten gefahren! Dann, nachdem er das Fahrzeug einige Male vor- und rückwärts gewiegelt hat, ist er durch. Für mich ist klar: Da fahr ich auf keinen Fall durch! Unser „Beni“ soll hier nicht versenkt werden. Wir haben eine viel geringere Bodenfreiheit als der Geländewagen, und sollten wir aufsitzen – was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich auch geschehen würde –, dann würde es problematisch. Es muss eine Möglichkeit geben, durch den Sand zu kommen, selbst wenn wir die ganze verdammte Düne wegschaufeln müssen.

 

 

Es sind nun doch einige Fahrzeuge unterwegs, was uns die Gelegenheit gibt, die verschiedenen Taktiken zu beobachten. Ein einzelner Autoschieber mit einem Mercedes-Personenwagen versucht es nun über die Düne und bleibt natürlich hoffnungslos stecken. Etwas später kommt ein mit Fahrgästen vollbeladener, geländegängiger Lieferwagen angebraust, der ebenfalls den „Landweg“ nimmt. Auch er bleibt stecken. Nun muss die aus etwa zwanzig Männern bestehende Fracht absteigen. Beim zweiten Versuch klappt es dann. Der Fahrer des immer noch blockierten Personenwagens bittet die Männer flehentlich um Hilfe, aber niemand kümmert sich um ihn. Ungerührt wird die Ladebrücke wieder erklettert und ab geht es Richtung Norden.

Wir helfen dem Autoschieber, und als er endlich wieder auf festem Boden steht, ist die Reihe an uns. Marcel versucht es zuerst, fährt mit dem nötigen Schwung möglichst aussen herum und muss dadurch eine enge Kurve ziehen, wodurch der hohe Aufbau in gefährliche Schieflage gerät, was Margaret angstvoll aufschreien lässt. Aber er ist durch. Nun ist die Reihe an mir. Mit eingeschalteter Sperre und genügend Geschwindigkeit wähle ich dieselbe Route und komme unter dem Applaus der Wartenden besser durch als erwartet.

 

Reisebericht Afrika

Mit Senegal erreichen wir auch Schwarzafrika. Strassenszene in der ehemaligen Hauptstadt St.Louis. Wir besuchen einen auf einer Landzunge liegenden Ortsteil, der mit seinen staubigen, durchlöcherten Strassen und dem brodelnden Menschengewimmel eher dem wahren Afrika entspricht. Der Duft der Garküchen vermischt sich mit dem Gestank verwesender Fische und den ungeklärten Abwässern.

Das Leben spielt sich hier mehrheitlich im Freien unter den Augen der Öffentlichkeit ab, eine Intimsphäre gibt es nicht. 

Um den Kontakt mit Kindern muss sich der Reisende nicht bemühen - die kommen von alleine ....

... was manchmal auch richtig Spass macht.

Transafrika

Der Rollstuhl ist einmal mehr ein Gerät, das die Knirpse interessiert und dadurch hilft, Hemmschwellen abzubauen.

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